Planet Jupiter mit dem Großen Roten Fleck am 22. August 2010

aufgenommen im sichtbaren Licht, Infrarotlicht und im Methanband

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Das Jupitersystem besteht aus dem Planeten mit einem Durchmesser von 142.984 Kilometer und den zahlreichen Monden. Der Planet Jupiter ist nach der Sonne der größte und massereichste Himmelskörper in unserem Sonnensystem. Bisher wurden schon 63 Monde im Jupitersystem entdeckt. Die vier hellsten Monde werden auch als die Galileischen Monde bezeichnet. Sie wurden vermutlich aber zeitgleich von Galileo Galilei und von Marius Simon etwa um 1610 entdeckt.

Optische Ausrüstung
Die folgenden Aufnahmen wurden von mir mit einem Astronomik 2c RGB Filtersatz, einem 380nm - 680nm Luminanzfilter, einem 742nm Infrarotfilter und zwei verschiedenen Methanbandfiltern 880/50nm und 891/17nm gemacht. Da die Jupiteratmosphäre im Methanband bei 890nm ein ausgeprägtes Reflexionsminimum hat, wird durch die Methanbandfilter die Jupiterscheibe stark abgedunkelt. Aber bestimmte Wolkenformationen wie beim Großen Roten Fleck, der ein Antizyklongebiet ist, werden nicht so stark abgedunkelt. Dadurch steigt die relative Helligkeit solcher Wolkenformationen und sie erscheinen deutlich heller als die restliche Oberfläche von Jupiter.
Als Kamera wurde die Planetenkamera DMK 21AU04.AS von "The Imaging Source" mit einem Atik Filterrad verwendet. Die 1200mm Brennweite vom 10-Zoll Newton Teleskop wurde mit einer Televue Powermate 2.5x und einer Televue Powermate 5x auf eine effektive Brennweite von 3000mm und 6800mm erhöht. Das seeing war am 22. August 2010 nicht so schlecht wie in den bisherigen Monaten des Jahres 2010 aber leider wieder nicht optimal.

Position des GRF
Der Große Rote Fleck ist ein Antizyklon (Hochdruckgebiet) und der größte bekannte Wirbelsturm in unserem Sonnensystem. Er wird seit etwa 300 Jahren beobachtet und seine Ost-West Ausdehnung entspricht etwa zwei Erddurchmesser. In solchen Wirbelstürmen wurden auf Jupiter schon Windgeschwindigkeiten bis zu 600 km/h gemessen. Die Längenposition des Großen Roten Fleck verändert sich ständig in Richtung Westen und lag am 22. August 2010 auf 154.3 Grad West im Jupiter System II. Somit war am 22. August 2010 ein GRF Transit um genau 02:01 MESZ (00:01 UT) beobachtbar.

Südliches Äquatorialband verschwand von 2009 auf 2010
Seit vielen Jahren sind auf Jupiter der GRF und die zwei markanten Wolkenbänder südlich und nördlich des Äquators bekannt. Im südlichen Äquatorialband rotiert der Große Rote Fleck und bewegt sich dabei ständig nach Westen. Im Zeitraum von 2009 auf 2010 jedoch hat sich das südliche Äquatorialband aufgelöst und seitdem hat Jupiter nur mehr ein breites Wolkenband in der nördlichen Hälfte. Dieser Vorgang hat sich auch schon in der Vergangenheit regelmäß im zeitlichen Abstand von einigen Jahren ereignet. Nach relativ kurzer Zeit von einigen Monaten sollte sich dann wieder langsam ein dunkles südliches Äquatorialband neu ausbilden.

Neuer Einschlag auf Jupiter am 20. August 2010 um 18:21:56 UTC
Am 20. August 2010 wurde von zwei Amateurastronomen in Japan unabhängig voneinander und in 800 Kilometer Bodendistanz ein sog. "impact flash" auf Jupiter um 18:21:56 UTC (+/- 1sec) auf Video aufgezeichnet. Damit war klar, dass es sich um ein reales Ereignis auf Jupiter handelte. Der Einschlag des Objektes auf Jupiter erfolgte etwa auf Position 140 Grad West und 20 Grad Nord im Jupiter System II. Also relativ nahe der Position des Großen Roten Fleck. Wie bei solchen Entdeckungen üblich, haben nach der Bekanntmachung dieser Entdeckung sofort viele Astronomen rund um den Erdball begonnen die Einschlagstelle in diversen Wellenlängen zu überwachen. Bisher konnte aber an der Einschlagposition keinerlei Veränderung in der Wolkenformation, in der Farbe oder der Temperatur von der Erde aus gemessen werden. Auch auf meinen Aufnahmen vom 22. August 2010, etwa 30 Stunden nach dem Einschlag, war in verschiedenen Wellenlängenbereichen keine Veränderung messbar.
Da solche Einschläge auf Jupiter in letzter Zeit auch schon am 19. Juli 2009 und am 03. Juni 2010 beobachtet wurden, kann angenommen werden, dass solche Ereignisse auf Jupiter doch nicht so selten als bisher vermutet auftreten. Anscheinend wird durch die weltweit immer größer werdende Gruppe von Amateurastronomen mit entsprechender Videoausrüstung das zufällige Beobachtungsnetz so dicht, dass es zu einer Häufung von Entdeckungen kommt.

Aufnahme vom 22. August 2010 um 02:15 MESZ
Vergrösserte Detaildarstellung von Jupiter mit der Einschlagstelle

Jupiter am 22. August 2010
FL = 6800mm, DMK 21AU04.AS, Filter = Astronomik 2c RGB


Aufnahmen am 22. August 2010

22. August 2010 um 01:40 MESZ
Planet Jupiter kurz vor dem Transit des GRF

Jupiter am 22. August 2010
FL = 6800mm, DMK 21AU04.AS, Filter = Astronomik IR Sperr
 
 
22. August 2010 um 01:47 MESZ
Planet Jupiter im Infrarotlicht kurz vor dem Transit des GRF

Jupiter am 22. August 2010
FL = 6800mm, DMK 21AU04.AS, Filter = Astronomik Planet Pro 742nm
 
 
22. August 2010 um 02:15 MESZ
Planet Jupiter im sichtbaren Licht kurz nach dem Transit des GRF

Jupiter am 22. August 2010
FL = 6800mm, DMK 21AU04.AS, Filter = Astronomik 2c RGB
 
 
22. August 2010 um 02:29 MESZ
Planet Jupiter im sichtbaren Licht 380nm bis 680nm nach dem Transit des GRF

Jupiter am 22. August 2010
FL = 6800mm, DMK 21AU04.AS, Filter = Astronomik Luminanz
 
 
22. August 2010 um 02:41 MESZ und um 02:47 MESZ
Planet Jupiter mit zwei verschiedenen Methanbandfilter

Jupiter am 22. August 2010
FL = 3000mm, DMK 21AU04.AS, Filter = Methanband Dr. Anders 891/17nm und Edmund Optics 880/50nm
 
 
22. August 2010 um 02:54 MESZ
Planet Jupiter im sichtbaren Licht 380nm bis 680nm nach dem Transit des GRF

Jupiter am 22. August 2010
FL = 6800mm, DMK 21AU04.AS, Filter = Astronomik Luminanz

 


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