Das Abend- und Nachtwetter im Waldviertel
aufgezeichnet in Nonndorf
Wieder ein neuer Schlechtwetterrekord - nur 3 durchgehend klare Nächte im gesamten Juli 2011
Das Beobachtungswetter im Waldviertler Raum (15.24° Ost, 48.79° Nord)
Für Astronomieinteressierte stellt das Wetter einen wichtigen Faktor bei der Ausübung des Hobbys dar. In jenen Freizeitstunden, in denen man auch tatsächlich Zeit für Beobachtungen hätte, verhindert dann oft die Wetterlage dieses Vorhaben. Mit diesem Umstand muss man gerade in Mitteleuropa doch relativ häufig rechnen. Auch bei Ereignissen, deren Beobachtungen schon Wochen, Monate oder sogar Jahre vorher geplant sind, hat man oft dieses Wetterpech. Dies ist natürlich besonders ärgerlich und in Summe bleiben hauptsächlich nur solche Wettersituationen in Erinnerung. Aber wie unsicher die Wetterbedingungen tatsächlich sind, lässt sich nur anhand von längeren und dabei lückenlosen Wetteraufzeichnungen feststellen.
Darum habe ich mit 01. November 2000 begonnen, die Wettersituationen an meinem Heimatort Nonndorf in der Gemeinde Waidhofen/Thaya-Land aufzuzeichnen. Der Abend wurde dazu in zwei Zeiträume geteilt und dafür jeweils die Wetterlage aufgezeichnet. Somit ergeben sich pro Jahr etwa 738 Beschreibungen der Wetterlage am späteren Abend und in der Nacht. Durch Erfahrung kann man sagen, dass diese Aufzeichnungen für das gesamte nördliche Waldviertel mit nur relativ geringen Abweichungen anwendbar sind. Lokale Unterschiede bei der Bodennebel-Situation können schon aufgrund des geringen Prozentanteiles keinen großen Unterschied ergeben und gleichen sich im Jahresmittel oft auch aus.
Anzahl der durchgehend klaren Nächte in den einzelnen Monaten
Jän. Feb. Mär. Apr. Mai Jun. Jul. Aug. Sep. Okt. Nov. Dez. Summe
2000 -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- 05 05 (010)
2001 03 05 02 08 16 08 17 13 02 07 07 04 092
2002 05 04 13 05 10 13 11 10 07 03 03 02 086
2003 02 10 13 14 10 09 11 18 16 04 04 07 118
2004 06 04 10 10 06 06 06 15 12 06 02 01 084
2005 05 07 12 11 14 09 05 05 09 08 02 01 088
2006 09 03 03 07 08 08 13 07 17 07 02 05 089
2007 05 06 14 21 10 11 10 09 11 10 01 04 112
2008 02 08 05 05 13 09 06 09 07 03 02 01 070
2009 02 00 01 20 12 04 07 14 11 01 02 00 074
2010 01 00 04 12 01 08 14 06 08 09 02 02 067
2011 02 10 12 11 13 11 03 10 13 11 04 00 100
2012 04 (004)
Das gesamte Abend- und Nachtwetter in Nonndorf vom 01. November 2000 bis 31. Jänner 2012
in grafischer Darstellung
(8246 Aufzeichnungen an 4123 Tagen in 135 Monaten)
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Wettergrafik
Die Grafik oben zeigt die durchschnittliche Wettersituation im Waldviertel aus der Sicht des Amateurastronomen. Halb bewölkt steht hier für nur einzelne durchziehende Wolken. Bei vereinzelt durchziehenden Wolken ist ein kurzfristiges Beobachten mit Unterbrechungen meist jedoch sogar möglich. Die Praxis zeigt daher, dass eine längere Anfahrt zu einem Beobachtungsplatz leider auch die nutzbaren Beobachtungsstunden stark reduziert. Wenn man dann auch noch für die Beobachtung zuerst langwierig ein Gerät aufbauen muß, dann sind eigentlich nur die ganz klaren Nächte sinnvoll nutzbar.
Luftunruhe
Auch in klaren Nächten kann die Luft manchmal derart unruhig sein, dass die Abbildungsqualität darunter sehr leidet. Dies tritt durch die Bodenabstrahlung vermehrt in den Sommermonaten auf. Aber auch Bauten in Massivbauweise speichern an sonnigen Sommertagen viel Energie. Dadurch kommt es oft die ganze Nacht hindurch zur Wärmeabgabe und in Folge zu einer Luftbewegung über dem Gebäude, die ein gutes Beobachten und Fotografieren mit längeren Brennweiten verhindert. Terassen, Balkone oder Beton- und Asphaltflächen sind deswegen nach sonnigen Tagen keine optimale Standortwahl.
Darum werden Sternwarten die auch für semiprofessionelle Arbeiten geeignet sein sollen schon seit einigen Jahrzehnten nicht mehr in der nostalgischen Optik und Technik des 19. Jahrhunderts, im Vollziegelbau, sondern möglichst in Leichtbauweise mit Bedacht auf geringe Wärmekapazität errichtet. Relativ dünnwandige Kuppel- oder Flachdächer bilden als typisches Beispiel für diese Eigenschaft den geeigneten Bauabschluss. Moderne Observatorien werden wegen der um vieles besseren Seeing-Qualität in den letzten Jahren aber nur mehr mit eckigen Dachkonstruktionen gebaut.
In den Wintermonaten ist die Luftunruhe abseits von beheizten Bauten oder Siedlungen meist eher gering. Leider kämpft man in den Winternächten oft auch mit sehr tiefen Temperaturen. Auch zu starker Wind kann ein ruhiges Beobachtung verhindern.
In Summe betrachtet sind im Waldviertel etwa 20 Prozent der Nächte als gut geeignete Beobachtungsnächte einzustufen. Für Bildaufnahmen mit mehreren Metern Brennweite sind die Anforderungen jedoch wesentlich höher. Hier werden in etwa 10 Prozent der Nächte Aufnahmen mit guter oder sogar sehr guter Qualität möglich sein. Aufgrund der fehlenden Großstädte ist im Waldviertel ausreichend dunkler Himmel schon in wenigen Minuten oder sogar vor der Haustüre zu finden.
31. Jänner 2012 |
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